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Kinder an die Macht!

Während ich hier am Flughafen von Dubai auf meinen Weiterflug nach Wien warte, fällt mir unwillkürlich dieser alte Spruch ein: „Du sollst deine Tage mit Leben füllen und nicht dein Leben mit Tagen!“ Die letzten paar Tage in Kuala Lumpur, das war das pralle Leben. Angesichts dieser komprimierten Erfahrungen scheint Österreich im Augenblick unendlich weit weg zu sein. Ins Reich des Vergessens gelangt hoffentlich auch bald das Abendessen im so hochgeloben Yohm am Wiener Petersplatz, kurz vor meinem Abflug nach Asien. In Erinnerung bleibt mir davon nur eine Würzorgie, die konsequent jeden Eigengeschmack der verwendeten Produkte zu übertünchen verstand. Phantasielose Fadesse a la Knorr-China-Pfanne! Ich jedenfalls feierte am Samstag eine fulminante Versöhnung mit der asiatischen Nouvelle Cuisine. Nicht in Wien, sondern beim neungängigen Galadinner im Rahmen der ITEX 2011, der bedeutendsten und größten Erfindermessen in Asien ( www.itex.com.my).

Bei den Innovationen aus den Bereichen Technik, Medizin, Chemie oder Biologie, die die über 700 Aussteller präsentierten, blieb einem zum Teil vor Staunen der Mund offen blieben. So wurde mir etwa ein revolutionäres Wasserschnelltestverfahren gezeigt, erfunden von zwei 14 jährige Mädchen aus Korea auf Basis von Fischkeimen. Ein einfacher Streifen, der ein paar Cent kostet, und binnen Sekunden anzeigt, ob das getestete Wasser trinkbar ist. In Ländern, in denen die Menschen nicht das Privileg haben, über ausreichend sauberes Wasser zu verfügen eine Sensation. Ich ließ mir einen patentierten Kleber vorführen, mit dem Stahlkonstruktionen von Hochhäusern nicht mehr geschraubt, sondern geklebt werden können. Ich bin in einem Wohnzimmer der Zukunft gesessen, in dem alle Räume dreidimensional auf dem FLAT TV abgebildet sind. Durch Handzeichen auf das entsprechende Gerät geht das Licht an, schaltet sich die Heizung ein oder wird der Whirlpool mit frischem Wasser versorgt.

Mein Aufenthalt in Asien war diesmal davon geprägt, dass ich nicht nur Besucher, sondern auch Teil der Jury und in weiterer Folge einer der Referenten war, übrigens der einzige aus Europa. Das brachte mir angenehmerweise einen der besten Sitzplätze beim Galadiner ein. Wer wie ich in Österreich öfter Veranstaltungen dieser Art beiwohnen darf/muss, kennt das Spiel: Prominenter Moderator bekannt aus Film, Funk und Fernsehen führt im Namen der Eigeninszenierung durch den Abend und unterbricht seinen Redeschwall nur um Gastgebern und Würdenträgern die Bühne zur Selbstbeweihräucherung zu überlassen. Endlose Reden folgen todlangweiligen, einstudierten Frage-Antwort-Spielen. Wer diesem Selektionsverfahren für Eventgäste nicht durch Flucht oder Tiefschlaf entrinnt, kommt nach schier endlosen Stunden in den Genuss von Speis und Trank. Das Eventkonzept Made in Asia, das ich letzten Samstag im Rahmen des besagten Galadiners erleben durfte, spielte in einer ganz anderen Liga. Die Gastgeber schafften es mühelos 1000 Gästen einen stilvollen, unterhaltsamen und lukullisch unvergesslichen Abend zu bereiten, bei dem nicht sie selbst, sondern die Preisträger im Mittelpunkt standen. Der Präsident der ITEX und auch die zuständige Ministerin für Wissenschaft und Forschung agierten dezent im Hintergrund. Das wunderbare Menü wurde stimmig in die Preisverleihung eingebettet und um 22.00 Uhr waren neun wunderbare Gänge im Magen und unzählige glückliche Preisträger im Saal.

Bei so viel geballtem Forscherdrang wird mit einem Schlag klar, wie hier meist unbemerkt von den etablierten westlichen Industrienationen, insbesondere in Europa, an der globalen Zukunft gearbeitet wird. Ich denke, es wäre ein Riesenfehler, dieses Potential und diesen Innovationsgeist von oft sehr jungen Forschern zu unterschätzen. Möglicherweise sollten wir es auch hier zulande in Punkto Förderung von Forschung und Entwicklung mit Herbert Grönemeyer halten: Kinder an die Macht! Denn der jüngste Erfinder mit einem fertigen Patent war diesmal ein 10 Jahre alter Taiwanese.

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