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Wider den Krieg!

An manchen Debattenbeiträgen von mir mag ich besonders, wenn mir Leute eine Nachricht oder Botschaft über einen dieser vielen Informationskanäle senden, um mir mitzuteilen, dass sie dem Grunde nach meiner Meinung sind, dies aber nicht öffentlich kundtun dürfen, da man das erstens bei einigen Themen „nicht darf“ und weil sie sonst zweitens vielleicht Repressalien im beruflichen oder sozialen Umfeld befürchten müssen. Es ist ein Armutszeugnis unserer Zeit, dass es kaum mehr möglich ist, kontroversielle Debatten quasi im open space zu führen. Dazu gehört auch, dass ich manchmal sehr darüber verwundert bin, was die Leute aus meinen Texten herauslesen und was in meinen Abhandlungen – Buchstabe für Buchstabe aneinandergereiht, irgendwann Wörter und Sätze ergebend – zu lesen steht. Persönlich würde mir keine Veröffentlichung von mir einfallen, in der ich Menschen bewusst diskriminiere oder herabwürdige. Ich bediene mich aber zugegebenermaßen hin und wieder der schwingenden Zynismuskeule, um auf die vielen Absurditäten des Alltags hinzuweisen. Und dabei erwarte ich nicht in missionarischer Manier, dass alle Menschen meiner Meinung sind, aber eines nehme ich für mich in Anspruch:  ich vertrete zumindest einen Standpunkt, den ich versuche, durch Argumente zu untermauern.

Vorgestern hat mich mein langjähriger Wegbegleiter KHL ob meines kopfzensurierten Blogs mit Recht darauf hingewiesen, ob es angesichts all dieser Eskalationen, die rund um uns stattfinden, nicht Themen zu besprechen gäbe, die von größerer Bedeutung sind. Da hat der von mir sehr geschätzte KHL vollkommen Recht! Ja, es ist ein Wahnsinn und es treibt einem die Zornesröte ins Gesicht, wenn man die Meldungen über die bewaffneten Konflikte in der Ukraine und am Gazastreifen mitverfolgen muss. Und dabei handelt es sich ja nur um jene selektierten kriegerischen Auseinandersetzungen, die uns medial zugemutet werden. Was ist mit den anderen Kriegen und bewaffneten Kämpfen, die ununterbrochen seit ihrem Beginn bis heute andauern? Schauen wir erst wieder beispielsweise nach Somalia oder nach Kambodscha, wenn die grausamen Bilder am Radar der medialen Kriegsbeobachtung für uns zur Normalität geworden sind? Nur zur Präzisierung, die aktuelle Liste der Krisenherde dieser Welt umfasst mehr als 30 Staaten und Regionen.

Als einzelner Bürger verfällt man bei genauerer Betrachtung all dieser widrigen Gegebenheiten schon in eine gewisse Ohnmacht. Dazu kommt für mich noch, dass ich langsam wirklich den Überblick verliere. Und ich frage mich auch, haben wir überhaupt die richtige Sichtweise der Dinge? Oder werden wir mit komplett falschen Informationen versorgt? Ich weiß es nicht! Wenn ich mir den Besuch von Russlands Präsidenten im Juni diesen Jahres in Wien in Erinnerung rufe, dann kommen mir schon Zweifel, was da wirklich los ist und wie gelebte Diplomatie tatsächlich funktioniert. Ist Wladimir Putin der Grund allen Übels oder nicht? Bei seinem Österreich Besuch wird er von unserem Bundespräsidenten empfangen und bei Kaffee und Kuchen angeblich zurechtgewiesen, und am Abend sitzen beide Herren dann im Haus der Industrie und witzeln über Österreich, was in der Unsäglichkeit endet, dass uns der Zar vom Roten Platz als “gute Diktatur” bezeichnet – und das unter den mild lächelnden Blicken unseres Staatsoberhauptes! Das ist dann die Orientierungsmarke für mich, das soll mir Wegweiser im Umgang mit den Krisenherden dieser Welt sein? Forget it!

“Kriege sind nicht notwendig, da sie keine Not wenden”. Egal, wo sich auf diesem Planeten die Menschen die Köpfe einschlagen, am Ende ist das Elend immer noch größer und treffen tut es am stärksten ohnedies immer jene Personengruppen, die schon vorher auch zu den unterprivilegierten Gruppen gezählt haben. Ich kann es nicht erahnen, was Menschen im 21. Jahrhundert noch immer dazu veranlasst, Landstriche zu zerstören, tausende Existenzen zu ruinieren und unzählige Menschenleben zu vernichten. Wo sind all die Persönlichkeiten und Mächte, die nicht nur Sonntagsreden halten, sondern die Kraft ihrer Funktion UND ihrer Person ernst genommen werden, um Deeskalation statt eine immer weiter fortschreitende Eskalation zu fördern? Wo sind die Friedensstifter des 21. Jahrhunderts? Wo gibt es Rahmenbedingungen für eine mündige und unabhängige Bevölkerung, die sich vom Krieg einfach abwenden könnte, damit dieser Irrsinn endlich ein Ende finden kann? Politik und Diplomatie scheinen überfordert, da es wie immer “nur” um die Neuordnung materieller Ansprüche und wirtschaftlicher Interessen geht. Der Mensch ist und bleibt da am Ende immer egal. Im Sommer 1939 wurde in Erwartung des deutschen Angriffs auf das Königreich das Plakat mit der Aufschrift Keep calm and carry ontausendfach gedruckt, aber nie von der britischen Regierung in Umlauf gebracht. 75 Jahre später könnte Ruhe bewahren und weitermachenzumindest dem Individuum ein Leitspruch sein, sich nicht vor den Karren einer sinnlosen Kriegsmaschinerie spannen zu lassen, sondern zu erkennen, dass es dem Menschen in der Tat unmöglich ist, einen Krieg überhaupt zu gewinnen. Ich würde es mir wünschen!

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