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Manager hinter Gitter!

Die weltweite Rezession treibt immer seltsamere Blüten: Jetzt haben auch Unternehmen hierzulande – vorwiegend (halb)staatliche – eine gute Ausrede. „Finanzkrise“ heißt das alles entschuldigende Zauberwort für unfähiges wirtschaften. Während jenseits der Grenze Unternehmen wie Lufthansa und RTL satte Gewinne machen, erreichen wir in Österreich den Höhepunkt einer unseligen Verquickung von vorgestrigen Politikern und am Gängelband der Vorstandsorder hängenden  Managern. Dass ein Beinahe-Monopol wie der ORF, der noch dazu so nebenbei von Pflicht-Gebühren finanziert wird, die Finanzkrise und diese sogar zu 70% für das im heurigen Jahr entstehende Defizit verantwortlich macht, ist schon reichlich dreist. Aber auch die heimische Fluglinie und Post sind hoffnungsvolle Kandidaten bei „Österreich sucht den Super-Marodeur“.  Nach dem Motto „Unternehmen runtergewirtschaftet, was machen wir als nächstes?“ sind die gestrauchelten CEOs und Vorstände noch bass erstaunt auf die Fragen der Medien nach Konsequenzen und Rücktritt. Denn was soll´s: Wenn alle Stricke reißen, reißt uns der Staat mit einer kräftigen Finanzspritze raus.

Die regionalen Bemühungen der Krise Herr zu werden sind bestenfalls “bemüht”,  kratzen jedoch nur an der Oberfläche. Am maroden System ändern sie rein gar nichts. Wenn Sie mich fragen: Die wirkliche Krise liegt nicht etwa darin, dass Milliarden von egal welcher Währung verschwunden sind (oder gewandert – denn „weg“ sind sie ja nicht!). Es ist keine Krise, dass Manager hohe Gehälter und unverschämt großzügig erscheinende Abfindungen erhalten. Die Krise besteht auch nicht darin, dass viele jetzt wieder von vorne anfangen müssen, für die Ausbildung der Kinder, die Altersvorsorge oder das neue Auto zu sparen. Und es ist bestimmt keine Krise, dass ganze Staaten drohen, an der kollektiven Dummheit der vergangenen Jahre ärmer zu werden. Die eigentliche Krise ist, dass partout nichts aus der Krise gelernt werden will.

Derzeit wird versucht Schuldige auszumachen, um diese – wenn möglich – zu bestrafen. Ist das geschehen, dann können wir wieder so tun, als hätten wir alles unter Kontrolle. Um dann genau so weiter zu machen wie bisher. Aus meiner Sicht gibt es gibt einen entscheidenden Grund für die derzeitige Krise auf den Finanzmärkten. Und der heißt Management. Die entscheidende Frage ist: Welche Konsequenzen haben die Verantwortlichen zu tragen, wenn sie nicht mehr ihr eigenes Geld vernichten, sondern das Vermögen gesamter Volkswirtschaften. Es bedarf hier nicht nur Rettungspakete für die Wirtschaft, sondern globaler Rettungspakete, die die Steuerzahler vor solchen Managern schützen und das bedeutet Haftung mit dem Privatvermögen oder Freiheitsentzug für viele Jahre, da es wahrscheinlich sonst keine Abschreckung gibt. Im Klartext: Auf globale Herausforderungen kann es nur globale Antworten geben. Aber dazu müssten die Damen und Herren in unseren Vorstandsetagen und Regierungsbänken über Tellerrand, Hutkrempe und Alpenhauptkamm schauen. Und darin liegt schon die erste Herausforderung, denn, wie schon der selige Altkanzler Fred Sinowatz die hiesige Hilflosigkeit unfreiwillig treffend apostrophierte: „Es ist alles sehr kompliziert.“

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