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Teach the Teacher!

Während der Weihnachtsfeiertage plagte mich ein wenig das schlechte Gewissen. Denn vielleicht hab ich ihnen in meinem letzten Blog Unrecht getan, den armen Managern nämlich. Damit wir uns richtig verstehen: Meine Forderung, die Urheber des weltweiten Finanzdesasters  schonungslos ihrer gerechten Strafe zuzuführen, nehme ich keinesfalls zurück. Doch eines räume ich ein: Dass Finanzkrise und Börsencrash, ebenso wie die am Boden liegende Automobilindustrie nur eine Fortschreibung vergangener Fehler ist, ist nicht nur die Schuld der Manager. Gut, sie haben aus den Fehlern der Vergangenheit offenbar nichts gelernt. Aber doch nur deshalb, weil es sie vorher niemand gelehrt hat. Was nützen drei abgeschlossene MBA-Studien, wenn es an extrafunktionalen Fähigkeiten, vernetztem Denken und der Fähigkeit zu globalem Handeln fehlt. Und wenn einem zudem niemand beigebracht hat, wie man seine Work-Life-Balance in den Griff bekommt.

Fakt ist leider, dass unsere Schulen und Universitäten kein taugliches Handwerkszeug anbieten, das uns den Umgang mit der neuen Komplexität der Wirtschaftwelt erleichtern könnte. Und obwohl die Notwendigkeit einer Metamorphose vielen Menschen, auch vielen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft bewusst ist, geschieht praktisch nichts. Das grundlegende Paradigma hat sich nicht geändert. Unsere Prioritäten stehen nach wie vor auf Wachstum, Vermehrung des eigenen Wohlstands, Rationalisierung, Gewinnmaximierung und anderen kurzfristigen Zielsetzungen, die längst keine Garantie mehr gegen Pleiten sind. Selbst Wirtschaftswachstum und Arbeit sind längst entkoppelt, ja Wachstum und Arbeitslosigkeit gehen zunehmend Hand in Hand. Und auch die technischen Innovationen der letzten Jahrzehnte haben eher zu Stellenabbau geführt als Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Geschwindigkeit der Veränderungen hat das Schulsystem überrollt. In zu geringer Weise sind die heutigen Lehrer darauf vorbereitet, Kinder und Jugendliche auf unser instabiles und sich schnell wandelndes Wirtschaftsleben vorzubereiten. Wissen vervielfacht sich stündlich, und trotzdem erhalten Auswendiglernen und kanonisches Wissen den Vorzug vor vernetztem Denken und der Fertigkeit zu recherchieren  und Wissen selbständig zu erarbeiten. Veränderungen passieren heute innerhalb so minimaler Zeitspannen, dass der Generationensprung fehlt, um diese in den Lehrplan aufzunehmen. Und jene Menschen, die Bildung weitergeben sollen sind realitätsfremd und haben keinerlei Praxisbezug. Wenn Wissen handlungsorientiert ist, wird es schwierig, sich Wissen auf Vorrat anzulegen. Gefragt ist „Know How on Demand“. Damit muss die früher übliche Vorstellung, erst „etwas Anständiges“ zu lernen und dann ein Leben lang von diesen Kenntnissen zu zehren, wohl aufgegeben werden. Jedes neue Ziel erfordert ein Erringen der entsprechenden Kompetenzen. Wir sollten uns auf das „lebenslange Lernen“ gefasst machen. Doch noch fehlt es an Vorbildern und Beispielen, wie es in dieser schönen, neuen Arbeitswelt funktionieren kann. Es reicht nicht, den Menschen zu sagen, dass sie mehr als früher gefordert sind, aktiv ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Man muss ihnen auch Überlebensrezepte für das 21. Jahrhundert mit auf den Weg geben. Hier liegt die Verantwortung nicht zuletzt bei unserem Bildungssystem, das diese neuen Gegebenheiten in die Lehrpläne der Schulen und Universitäten einfließen lässt. Und vielleicht heißen ja die Unterrichtsfächer der Zukunft „Globale Verantwortung“, „Umsichtiges Handeln“ und „Respekt vor dem Eigentum anderer“.

Übrigens: Vor etwa sechs- bis achttausend Jahren – nämlich beim Übergang von der Steinzeit, also von der Wirtschaftsform des Jägers und Sammlers auf die Wirtschaftsform des Pflanzers und Hirten, haben die Menschen ihre Sicht der Wirklichkeit, ihr Paradigma schon einmal radikal geändert. Veränderte Lebensbedingungen zwangen die Menschen damals dazu radikal umzudenken. Und das haben sie getan. Vielleicht schaffen wir´s wieder.

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