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Denkanstoß durch Fernet Branca

Der Kopf ist ja vor allem deshalb rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Man kann diesen Prozess noch anregen, indem man sich ein Nudelsieb aufsetzt. Das erhöht die Luftzirkulation im Gehirn. Herr Niko Alm hat uns das ja dieser Tage demonstriert.* Derart mit Sauerstoff versorgt sollte man firm sein für die komplexen Fragestellungen des Lebens. Zum Beispiel: Wie kann Alkohol beim Fliegen der Gesundheit schaden, selbst wenn man die Flasche nicht öffnet?  Für solcherlei Hirnakrobatik empfiehlt sich die Technik des Querdenkens. Die Wissenschaftler sprechen auch von Lateralem Denken und meinen damit Kreativitätstechniken,  die dazu angetan sind, unkonventionelle oder innovative Lösungswege für Probleme zu finden.

Zurück zu unserem Flaschenrätsel. Für das es ein reales Szenario gibt. Gestern in der Frühmaschine von Wien nach Stuttgart. Zufall oder nicht, am Abend sollte ich im Klub der Querdenker ein Referat halten. Ich teilte mir die 1. Reihe, Sitze D bis F mit einem Passagier, Typ älterer Geschäftsmann, dominantes Auftreten, kräftige Stimme. Ich war gerade dabei, die neueste Ausgabe von Lettre International zu lesen, eine Story über die berühmt berüchtigten Streetgangs von Los Angeles, die Heimat der Grips, der einflussreichsten schwarzen Bande in den Staaten. Gedanklich bei Straßenkämpfen in L.A., ereilte mich aus dem Nichts die Frage „Können Sie sich vorstellen, dass mir beim letzten Flug eine große Fernet-Branca Flasche auf den Kopf gefallen ist und mir fast eine Platzwunde beschert hat?” Ob ich wollte oder nicht, meine neue Reisebekanntschaft erläuterte mir detailreich die Umstände seines Missgeschicks. Ich fasse zusammen: Die Flugbegleiterin wollte vor dem Take Off noch etwas ins ohnehin schon überfüllte Gepäckfach legen. Durch den Druck wurde seitlich ein Gepäckstück herausgepresst. (Erraten: die Fernet-Branca Flasche!). Dieselbe traf den unter dem Gepäckfach sitzenden Passagier. Eine logische Erklärung, für laterale Denker zumindest.
Die Geschichte ging dann so weiter, dass sämtliche Versuche, den aufgebrachten Fluggast durch Kabinenpersonal und Kapitän zu besänftigen, misslangen. Daraufhin wurden über Funk die Behörden informiert. Nach der Landung warteten Polizei, Rettung und Flugsicherung vor der Gangway des mittlerweile geparkten Flugzeuges. Weitere Schlichtungsversuche waren erfolglos, eine Anzeige gegen die Flugbegleiterin stand im Raum. Erst ein Anruf des Vorstandes der Airline habe ihn besänftigt, so der Flaschenmann am Ende seiner Ausführungen. Er habe den Vorstand einfach gefragt, was es ihm wert sei, wenn man in einem seiner Flieger von einer Flasche am Kopf getroffen wird. Er sagte ohne Umschweife: 16 Freiflüge. Laterale Erkenntnisse des Vorfalls:

1.    Das Nudelsieb auf dem Kopf ist  nicht nur Insignie der Pastafari und obendrein ein keckes Accessoire. Es hätte meinen Sitznachbarn auch vor der erlittenen Blessur bewahrt. (Andererseits sind 16 Freiflüge auch nicht zu verachten.)

2.    Wir sollten alle öfter um die Ecke denken.
* Wer nicht weiß, wovon die Rede ist, kann es hier nachlesen: http://derstandard.at/1310511175405/Kopf-des-Tages-Der-Wiener-Nudelpapst-der-Gottlosen

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