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Arme Wurst

Die Superstrategen aus dem SPÖ Hauptquartier haben sich wieder einmal selbst ins Knie geschossen. Vor ein paar Wochen hatten wir noch das Thema Social Media auf der Agenda. Jetzt gibt es personalseitig eine kleinere Baustelle. Hausgemacht von des lieben Führers, – sorry – Kanzlers Spindoctoren. Gewissermaßen der kleinste gemeinsame Nenner von vollkommener Selbstüberschätzung und Unfähigkeit. Zur Erinnerung: Ziel der Mission war es, einen Parteigünstling als Aufpasser ins Vorzimmer des Staatfunkdirektors zu setzen. Bedauerlicherweise übersah man, dass es so etwas wie Gesetze gibt, die die Postenvergabe regeln, dass es da einen Fristenlauf gibt, dass es nicht gut kommt, wenn schon vor der offiziellen Ausschreibung der neue Stelleninhaber öffentlich präsentiert wird. Niko Pelinka ist eine arme Wurst. Ein Rädchen in diesem System, das ein einziger Systemfehler ist.  Und er ist nicht zu beneiden.  Denn ein solches Entrée, ein derartig unprofessionelles Umfeld wiegt schwerer als der schlimmste Feind.

Das ist ein Teil der Geschichte! Noch unerträglicher ist die verlogene Debatte, die sich jetzt über uns ergießt. Die Führungsriege des Staatsfunks spiegelt seit Bestehen die gängigen Mehrheitsverhältnisse auf Bundes- und Länderebene wieder. Man muss das einmal aussprechen, auch wenn es da und dort Leute gibt, die anderes behaupten. Generalintendant, Chefredakteure oder Landesdirektoren werden nicht nach Fähigkeiten ausgesucht, sondern danach, ob sie politisch gefügig sind. Da ist die Realität und dabei machen alle Parteien seit Jahren ausnahmslos mit. Deswegen halten sie jetzt auch geschlossen den Mund. Zum Beispiel die Grünen, die mit der damaligen FFÖ/BZÖ Führung paktiert haben, um in der Allianz mit der SPÖ, die ÖVP-nahe Generalintendantin aus dem Sessel zu heben. Glaubt denn irgendjemand, dass die damalige Kärntnerdichte (Informationsdirektor, Hörfunkdirektor) in der politischen Bedürfnisanstalt damit zu tun hatte, dass es am südlichsten Ende Österreichs plötzlich eine Kulmination journalistischer Kompetenz gegeben hat? Oder glaubt irgendjemand, dass ein Grüner deswegen Ober-Kommunikationschef des Staatsfunks wurde, “weil er den Kreisverkehr in Mattersburg so gut geregelt” hat? (© Hans Mahr) Sieht man sich die jeweils herrschenden Parteien auf Länderebene an, findet man auch dort – welch Zufall! – die exakte Spiegelung der jeweilig aktuellen Mehrheitsverhältnisse in den regionalen ORF-Führungsstrukturen. Als im Herbst die neue Landesdirektorin des ORF Kärnten bestellt wurde, war zumindest der hiesige Landeshauptmann so ehrlich, schon einen Tag vor der entscheidenden Sitzung der neuen Amtsinhaberin zu gratulieren! Hand aufs Herz, welcher Eigentümer und sei es auch nur ein auf bestimmte Zeit vom Volk gewählter, lässt sich irgendjemanden aufs Auge drücken? Eben! Schließlich erwartet man personalisierte und willfährige Loyalität in einschlägigen Positionen. Der Sumpf ORF ist dafür ein Paradebeispiel. Da gibt es sogar Menschen in Spitzenpositionen, die schon auf mehreren politischen Tickets dahergeschwommen sind. Warum wohl? Weil sie so kompetent waren? Nein, weil sie dem Eigentümer jeden Wunsch von den Augen abgelesen haben.

Aus dieser Perspektive betrachtet ist die Bestellung eines Niko Pelinka nur logisch. Ein Parteigünstling erster Güte, bei dem man vergeblich nach Qualifikation oder Erfahrung für den ausgeschriebenen Job sucht. Vormals Pressesprecher einer Ministerin, was aber nicht als Arbeit gewertet werden kann. Die Pressesprecher mögen es mir verzeihen, aber im politischen Umfeld besteht die Arbeit nur darin, den ganzen Tag irgendwelche Geschichten zu erzählen. Es ist aber eine ideale Funktion, um sich anzudienen. Dann geht es ab in einen staatsnahen Betrieb. Auch dort möchte ich niemanden unrecht tun, aber die wesentliche Aufgabe des aufstrebenden jungen Mannes hat wahrscheinlich darin bestanden, einen der größten Werbeetats im Umfeld der Politik entsprechend der dortigen Begehrlichkeiten zu verwalten. Genau was war jetzt die Leistung? Und in der Freizeit hat er dann noch ein paar SPÖ-Mitglieder im ORF Aufsichtsrat entsprechend der Wünsche aus der Kanzlerpartei instruiert und observiert. Uns jetzt folgt der nächste logische Karriereschritt. Es geht darum, dass sich der wiedergewählte Generaldirektor des Staatfunks noch dankbarer erweist und als öffentlich sichtbares Zeichen dieser Demut einen parteinahen Aufpasser in sein Vorzimmer setzt. So sieht sie nämlich aus, die politische Kultur in diesem Land.

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