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Irrenhausverwaltung

Dass sich die Erdkugel noch immer dreht, wundert mich immer wieder. Nicht mal Felix Baumgartners Aufschlag aus 39 Kilometern Höhe, mit einem von Experten geschätzten PR Wert von 8 Milliarden Dollar, hat unserem Planeten etwas anhaben können. Wenngleich ich mir als aufmerksamer Beobachter des diesseitigen Geschehens schon regelmäßig denke, ob nicht da oder dort die einen oder anderen Mitbewohner irgendwo unkontrolliert aufgeschlagen sind. Beispielsweise die Herausgeber der tunesischen Kinderzeitung „Kaws Kouzah“, die in ihrer jüngsten Ausgabe unter der Rubrik „Garten des Wissens“ eine Bastelanleitung für die Herstellung eines Molotow-Cocktails abdruckten. Zu Deutsch heißt der Titel der Zeitschrift “Regenbogen”, der ich nun mein Wissen darüber verdanke, wie ich eine kleine brennende Flasche mit explosiver Wirkung selbst herstellen kann. „Der Molotow-Cocktail ist eine selbstgemachte Brandwaffe, die aus einer Glasflasche und einem gefalteten Tuch besteht, das mit einer entflammbaren Flüssigkeit getränkt ist – Öl, Alkohol oder Petroleum.“ Um dann weiter auszuführen “Die brennende Flasche wird anschließend gegen ein bestimmtes Ziel geschleudert, sie zerbricht und setzt es in Brand.” Zufall oder nicht, die Präsidentin der Österreichisch-Tunesischen Gesellschaft ist die ehemalige Ministerin Maria Rauch-Kallat, ihres zeichens die Ehefrau des Waffenlobbyisten Graf Alfons Mensdorff-Pouilly. Was wäre wohl los, wenn man eine Verbindung zwischen dem Waffenhändler und der Kinderzeitung herstellen könnte, weil man sich vielleicht bei einer Charity Gala gegenüber gesessen hat? Mich wundert, dass die Spürnasen Pilz und Petzner noch nicht aktiv wurden. Wenn sich da etwas konstruieren ließe, dann wäre vielleicht sogar der UN Sicherheitsrat in New York mit der Klärung befasst. Man stelle sich die intellektuelle Speerspitze unserer orangefarbigen Partei in NYC bei der UNO vor, da würde die Sonne vielleicht nochmals vom Himmel fallen, oder in Petzners Fall eher ein Solarium.

Sie können aus meinen Gedanken ableiten, dass ich eher im Vollstress bin und mich den relevanten Fragen dieser unserer Erde zuwende. Dass die Zeiten härter geworden sind, ist allseits spürbar. Die Menschen sind vielfach gar nicht entspannt, ganz im Gegenteil. In Mexiko Stadt etwa wurde ein Pizzabote ermordet, da er sich um ein paar Minuten verspätete, was den Empfänger sehr aggressiv machte. Der Täter gab schließlich zu *Protokoll “dass er mit Hilfe seiner Freundin den Pizzaboten fünf Stunden lang eingesperrt und geschlagen habe. Als der Mann habe fliehen wollen, habe er ihn mit mehreren Messerstichen getötet. Um die Tat zu vertuschen, habe er die Leiche dann in der Nähe entsorgt.” Klassischer Fall von zur falschen Zeit am falschen Ort. Mann stelle sich den Pizzaboten vor, wenn er einen tunesischen Haushalt betritt, wo gerade eine Familie am Basteln ist. Gut, lassen wird diese bösen Gedanken. Aber diese tragische Geschichte zeigt, dass es sehr gefährlich sein kann, wenn man sich durchs Leben hanteln möchte. Die Gefahren lauern überall. Mir hat gestern der Kellner ein Schnitzel auf den Mittagstisch gestellt, wo mir spontan beim ersten Biss die Geschichte aus Mexiko Stadt eingefallen ist. Wenngleich mein Ziel der Koch und nicht der freundliche Ober gewesen wäre. Meine Entscheidung nichts zu tun war richtig, der Koch Marke “Schrank” und ich wären eine ungleiche Paarung für ein Duell gewesen, das ich in Gedanken schon durchgespielt hatte.

Dazu passt ein Interview mit dem britischen Komiker John Cleese, der dem Publikum mit seinem Komiker-Kollegen von Monty Python sehr viel an einschlägigem Wissen vermitteln konnte und sich dem Sinn der Aufklärung verpflichtet fühlt. Man denke an sein Standardwerk zur religiösen Erbauung “Das Leben des Brian”. Der 1939 geborene Komiker, Schauspieler und Drehbuchautor gab zu Protokoll “Die ganze Welt ist doch ein Irrenhaus”. Um zu schlussfolgern “Ich habe ein paar Gänge heruntergeschaltet und bin entspannter geworden. So kann ich viel besser nachdenken.” Ja genau, das Nachdenken! Unter Denken werden in einschlägigen Lexika alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen versuchen. Es ließe sich trefflich darüber philosophieren, ob, wie und was die Denkleistung beflügelt und was Nachdenken an positiven Konsequenzen bringen könnte, vorausgesetzt, man hat ein dem positiven Lebensverlauf zugewandtes Weltbild. Manchmal das Tempo rauszunehmen könnte ein weiser Entschluss sein! Im Zeitalter der Gleichzeitigkeit ein nahezu unglaubliches Unterfangen, wie man in Beobachtung seiner Umwelt immer wieder feststellen kann. Dabei kann Innehalten, Loslassen den Status der inneren Ruhe fördern, findet auch der von mir bereits zitierte John Cleese: “Unser Unterbewusstsein ist sehr reich, wir müssen uns nur die Zeit nehmen, uns das bewusst zu machen. Erst dann können wir seine Kräfte produktiv nutzen, statt von ihnen kontrolliert zu werden”. Der 2008 verstorbene Gesellschaftskritiker Joseph Weizenbaum spitze die Problemlage in seinem letzten Artikel in der Sueddeutschen Zeitung vom 8. Januar 2008 noch weiter zu „Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen.“ Wie recht er hat!

* http://www.welt.de/vermischtes/