Blog

Authentische Rebellen

Unzählige Belehrungen rasseln täglich auf uns nieder. Jedes Medium hat für alles und nichts Ratgeber, hat Frauen und Männer, die uns mit erhobenem Zeigefinger ermahnen, dass wir alles sein dürfen, nur ja nicht so wie wir sind. Mit jedem zweiten gesprochenen oder geschriebenen Wort begibt man sich in Gefahr, sich politisch unkorrekt zu verhalten, weil sich irgendjemand ganz sicher diskriminiert, entwürdigt oder sonst was fühlt. Es gibt genug einschlägige, von selbsternannten Wächterinnen der Political Correctness verfasste Nachschlagewerke, die es den Angehörigen der Empörungsindustrie erleichtern, reichlich Argumente für ihre “Wut” und “Betroffenheit” zu finden. Sagen was Sache ist, gehört immer mehr zum schlechten Ton, könnte man schlussfolgernd feststellen. Besser ist es mittlerweile fast schon, nichts mehr zu sagen. Schweigen, erdulden, alles hinnehmen, so werden wir genormt. Ja nicht aufmucken, ja nichts sagen, immer mitschwimmen im Strom der Angepassten. Egal ob von oben nach unten, von links nach rechts. Standpunkte einzunehmen, sich zu artikulieren, ist ein Minderheitenprogramm geworden, weil die Beliebigkeit zur bequemen Mehrheit geworden ist.

Und wenn wir uns nicht gerade darüber unterhalten, warum man Dinge nicht benennen darf die benannt gehören, bietet sich noch eine nicht endenwollende Liste anderer Themen an, die besprochen gehören. Erderwärmung, Klimakatastrophe, Ausländerhetzte, Schwulenfeindlichkeit, Gleichgeschlechtlichkeit, Menschenfeindlichkeit, Enthaltsamkeit. Alle diskutieren mehr oder minder mit Leidenschaft und Hingabe fortwährend “die selben Geschichten”. Tun sollen dann ohnedies immer alles die anderen, jene, die gerade nicht da sind. Diese nicht näher definierten Projektionsflächen in Form anderen Menschen, die dann ebenso im Stillstand verharren. Nachdem dann fast alle nichts tun, bleibt wieder alles so wie es ist. Und so lebt es sich dahin, zwischen gesellschaftlicher Empörung und globaler Zerstörung.

Wenn die Sprache geregelt ist, die Bedrohungsthemen durchgespielt sind und sich unser schlechtes Gewissen verstärkt hat, dann servieren uns jene, die uns all diese Pflichtthemen des angepassten Lebens im Sekundentakt zuführen, noch ein wenig Entspannung. Als Belohnung für unser Durchhalten. Dann schert sich zur “Prime Time” plötzlich niemand um Political Correctness, um die Erderwärmung und sonstige sich androhende Katastrophen. Wenn zur besten Sendezeit mit verkaufter Werbezeit viel Geld verdient werden kann, dann müssen andere Mechanismen des menschlichen Verlangens bedient werden, damit Reklamekunden zufriedengestellt sind und Geld in die Kassen kommt. Und so können wir dann im Hauptabendprogramm zusehen, wenn im Dschungel ein paar “Intelligenzallergiker” Fäkalien fressen und Millionen von Menschen eingeredet wird, dass das eigentlich normal sei. Und wer dabei dennoch etwas Anstößiges findet, der kann sicher in einem anderen Sender zur selben Zeit eine Castingshow finden, in der Menschen vorgeführt und in all ihren Schwächen bloßgestellt werden.

All das schreibe ich nicht, weil ich uns allen den Spiegel vor das Gesicht halten möchte. Gekommen sind mir diese Gedanken, weil dieser Tage ein besonderes “Prachtexemplar der Lebensfreude” seinen Geburtstag gefeiert hat. Ein Weltstar, der in der heutigen Zeit fast unvorstellbar, auf Twitter, Facebook und Selfies verzichtet. Eine Ikone, die seit den 90ern alle Trends überlebt hat, sich noch nie neu erfinden musste und nicht mal eine Autobiografie verfasst hat. Die ihren Mann nach 20 veganen Jahren wieder bekehrt und ins richtige Leben zurückgeführt hat. Sie redet nicht über Fitness und grünen Tee und isst lieber ein Bacon-Sandwich. Höchstens am Samstag klagt sie, dass sie seit Freitag auf keiner Party mehr gewesen ist. Aus ihrem Alter hat sie nie ein Geheimnis gemacht und sieht mit 40 Jahren trotz etwas engagierterer Lebensweise noch immer besser aus, als manche Frauen, die deutlich jünger sind. Sie verkörpert Freiheitstand unlängst irgendwo zu lesen. Über ihren Lebensstil sagt sie einfach: “Es ist rebellisch, man selbst zu sein!”. Happy Birthday, liebe Kate Moss und bleiben Sie, wie Sie sind!

Leave a Reply