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Unbeugsames Juwel

Jede Begrüßung und Verabschiedung mit dir ist ein Kraftakt gewesen. Du hast meine Hand nicht nur gedrückt, du hast sie förmlich lustvoll gequetscht. Deine liebe Frau Guggi war immer in größter Sorge, dass ich unser Zeremoniell unbeschadet überstehe. Schon vom Lebensabend geschwächt, hast du dich immer wieder aufgebäumt, hast nochmals deine ganze Energie entfaltet und dich wie ein Spitzbub mit einem breiten Grinsen im Gesicht daran erfreut, dass du mir gezeigt hast, wer der Herr im Haus ist. Und heute Morgen konnte ich nur mehr deine ruhigen, auf deiner Brust reglos liegenden Hände ertasten. Still und leise bist du gegangen, mein lieber Freund. Ein Kuss auf deine Stirn wird meine letzte Berührung im Diesseits mit dir gewesen sein. Es sagt sich in solch traurigen Momenten immer so leicht, du wirst für immer bei uns sein. Das halte ich im Hinblick auf deine Person für eine Untertreibung, so wie du dich bei uns allen eingebrannt hast, im besten Sinn des Wortes, du menschliches Monument! Mir fehlt die künstlerische Kompetenz, um zu beurteilen, welcher Platz dir als Musiker in den Geschichtsbüchern zusteht. Aber du warst definitiv eine Ausnahmeerscheinung, so viele Würdigungen und Auszeichnungen sind ein dich ehrendes Zeugnis davon. Mir hast du als Mensch aber noch viel mehr bedeutet, du warst ein Juwel und ein richtiger Sir. Viele würden diese Wesensart respektlos als alte Schule bezeichnen, aber sie war alles andere als das. Dein Sinn für Umgangsformen, dein Gefühl für die richtige Wahl der Worte und deine unnachahmliche Art, die trockensten aller Pointen zu setzen, sind unerreicht. Und ebenso unübertroffen ist deine Unbeugsamkeit gewesen. Du warst ein richtiger Kerl, der seine Posaune nie nach dem Wind ausgerichtet hat, sondern du hast, wenn es sein musste, die Windrichtung in aller Stärke vorgegeben, du bist nicht umgefallen! Wie ein Fels in der Brandung hast du im Zeitalter der Beliebigkeit Haltung eingenommen, hast Würde gezeigt, Anstand gelebt und Ehre bewiesen. In deiner aktiven Zeit haben den Musiker Erich Kleinschuster nahezu alle liebevoll „Keksi“ genannt. In den letzten Jahren haben wir im kleinen Freundes- und Familienkreis immer von „unserem Herrn Professor“ gesprochen, als besonderen Ausdruck des Respekts vor deiner großartigen Persönlichkeit, die uns stets ein Vorbild bleiben wird. Leb wohl, mein Freund!