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Wuppertal ist überall

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ein paar unrasierte, eher dem radikalen Flügel zugeordnete Islamisten durch Wuppertal ziehen und sich als Tugendwächter aufspielen? Ein wenig mehr Sitte und Anstand könnte uns allen ein wenig gut tun. Bis auf das von diesen “bösen Buben” erhobene Musik- und Konzertverbot halte ich deren Forderungen zumindest für diskussionswürdig. Ist der Appell, auf Alkohol, Glücksspiel, Pornografie, Prostitution und Drogen zu verzichten, tatsächlich so schlimm? Oder gibt es die ganze Aufregung wegen der Sharia-Police nur deshalb, weil ein paar dieser träge gewordenen staatlichen und kirchlichen Institutionen mit selbigen Repräsentanten, sich in ihrem “Wasser predigen und Wein saufen” Monopol gefährdet sehen? Wie wäre es, wenn jene, von der Politik bis hin zur Kirche, die jetzt wieder mal so lautstark über Verbote diskutieren, mal selbst auf die Straße rausgingen und mit den Menschen das Gespräch suchten? Das könnte den Blick für die Lebensrealitäten vieler Mitbürger schärfen und wertvolle Erkenntnisse über deren Sorgen und Ängste bringen. Die Art und Weise, Menschen zu erreichen, ist seit Jahrtausenden bekanntlich unverändert – einfach durch reden!

Aber Toleranz gegenüber anderen Kulturen darf es offensichtlich immer nur dann geben, wenn ein wenig die Folklore mitschwingt, wenn alles einen Wohlfühlcharakter, eine multikulturelle “Club Med”-Atmosphäre hat. Zynisch könnte als PRO-Argument für die Aktivitäten des eher aufgeregten Flügels der dem Propheten Mohammed zugewandten Glaubensrichtung eingebracht werden, dass es noch immer besser ist, wenn ein paar sich der strengen Tugenden im islamischen Sinn verbundenen Religionskämpfer hier bei uns auf Patrouille gehen, als ihre radikalen Sichtweisen in ihren Heimatländern ausleben. An Orten, wo religiöse Argumente von Andersdenkenden bekannterweise wenig Gehör finden und wahlweise mit Strick und Galgen oder mit Steinigungen im schlimmsten Sinn des Wortes mundtot gemacht werden.

Es gibt kein Argument, dass Menschen, egal, wo auch immer, wegen ihres Glaubens gefoltert und getötet werden. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, dass Frauen verhüllt und Mädchen gegen ihren Willen zwangsverheiratet werden. Es gibt keine Erklärung, die einen heiligen Krieg rechtfertigt. Es gibt aber die Möglichkeit, von all jenen, die jetzt wieder mal anlassbezogen in ihrer beliebigen Oberflächlichkeit agieren, diese möglicherweise gezielte Provokation als Anlass zu nehmen, das Gespräch auf einer anderen Ebene zu suchen. Wie kommt eine sonst in unseren Breiten friedlich lebende und integrationsbereite Religionsgemeinschaft dazu, immer wieder in Misskritik gebracht zu werden, von einigen, die von Allah offensichtlich „falsch programmiert“ wurden. Unser Problem ist nicht, dass ein paar muslimische Jugendliche auf einige Umstände hinweisen, die uns volkswirtschaftlich gesehen mehrere Milliarden Euro pro Jahr kosten. Unser Thema im Umgang mit den fanatischen Interpreten des Koran sollte vielmehr die vehemente Einforderung eines “Fair Play” lauten, im Sinne von Akzeptanz und der gegenseitigen Anerkennung von Standards, die ziviles Zusammenleben regeln. Wuppertal ist, was den fehlenden Diskurs über religiös argumentiertes Unrecht anbelangt, überall.

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