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Wieso schreiben immer alle dagegen, aber kaum jemand dafür?

Irgendwie quält mich der Alltag! Nicht deswegen, weil ich heute schon um 4 Uhr morgens erwacht bin und ob meiner frühen Bettflucht ein paar Geschichten von und über den von mir sehr verehrten Helmut Qualtinger gelesen habe. Mein entscheidender Fehler war eher der, dass ich nach der Buchlektüre wieder mal ein paar Zeitungen gelesen habe. Es ist schon beachtlich, dass es kaum Geschichten gibt, die Menschen ermutigen, die Freude bereiten, die einen weiterbringen. Die triste Auswirkung des Medienkonsums ist das emotionale downgrading  – verbunden mit der innerlichen Frage, ob es überhaupt noch einen Sinn ergibt, die Wohnung zu verlassen, bei all dem was auf der Welt passiert. Ich empfinde es teilweise unerträglich, dass in vielen Redaktionsstuben offensichtlich nur mehr Menschen sitzen, die ihren Tag damit verbringen andere zu verhöhnen, zu verspotten, zu verunglimpfen, schlicht und einfach herunterzumachen. Was müssen solche Menschen für ein Innenleben haben?

Der Vorteil, manche Geschichten auf nahezu nüchternen Magen zu lesen, erspart einem zumindest ob nicht vorhandener Mageninhalte das Kotzen. Was ist los? Ist es tatsächlich so schwer, für etwas einzutreten? Wo sind die engagierten und visionären „Leitartikler“, die mich nicht mit dem zehnten Kommentar in Beinpinklermanier langweilen. Wo sind die spitzen, scharfsinnigen und differenzierenden Federn des Landes, die beispielsweise überzeugend für politische Hygiene eintreten und die nicht in ihren bemüht geschriebenen Kommentaren jenes System anprangern, das ein paar Seiten später durch willfährige Berichterstattung gutgeschrieben wird – weil das eben dem Inseratenaufkommen aus dem politischen System und dessen Umfeld dient.

Früher einmal hat es zumindest noch wahre Meister gegeben, die mit ihrer formulierten Kritik die Lust am Lesen förderten. Karl Kraus war so einer. Aber auch davon sind wir weit entfernt. Angebrachte Kritik wird hierzulande sehr oft mit persönlicher Hinrichtung verwechselt. Die journalistische Grundkultur besteht bei vielen aus den zweifelhaften Tugenden des Neids und der Missgunst. Ich plädiere nicht für Angepasstheit, für das Wegschauen, dort, wo kritisches Hinschauen angebracht wäre. Ich frage mich aber, wie sich eine Zeitung lesen würde, wenn Journalisten ihre Geschichten verpflichtend mit positiven Aspekten versehen müssten? Mit formulierten Gedanken, die den Menschen eine positive Handlungsanleitung sein können. Eine Gebrauchsanweisung, um sich besser durchs Leben navigieren zu können. Die Energie, die man aussendet, bekommt man zurück. Wer am Morgen in der U-Bahn die Menschen beim Lesen einer Zeitung beobachtet, der weiß, wovon ich spreche. Ich finde, dass unser Land in schon vielen Bereichen einen kulturellen Niedergang erlebt, die Medien sollten dabei nicht bedingungslos mitmachen, sondern vehement und besispielgebend für einen kulturellen Neuanfang, insbesondere einen politischen, eintreten.

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