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Try again!

Die vergangenen Tage verbrachte ich in London, wo ich unter anderem die British Innovation Show, eine der größten Erfinder- und Innovationsmessen weltweit, besuchte. Behörden, Universitäten, Unternehmen und viele private Erfinder hoffen dort, für ihre oft kuriosen aber meistens praktischen Ideen zahlungskräftige Produzenten zu finden. Von der aus alten Autoreifen hergestellten Stereoanlage über mit Gaskartuschen betriebene Heizdecken bis hin zu hochtechnologischen Verfahren aus der Stammzellenforschung war im altehrwürdigen Alexandra Palace alles zu finden.

Der Ideenreichtum der Aussteller war bemerkenswert. Noch bemerkenswerter jedoch fand ich die Herkunft der Erfinder: Immer mehr Aussteller kommen aus sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Staaten wie Indien oder Vietnam, ziehen ausgerüstet mit Pragmatismus und unstillbaren Zukunftshunger wie die Nomaden von Erfindermesse zu Erfindermesse im festen Glauben, ihren Geistesblitz zu vermarkten. Ich habe ganze Schulklassen aus dem Iran getroffen, die mit ihren Erfindungen zum Projektunterricht nach London reisten. Auch die Sorge sich mit einer allzu banalen Idee zu blamieren, scheint hier unbekannt. Jemand erzählte mir, dass in Peru Meerschweinchen nicht nur so etwas wie die National-Maskottchen, sondern in einem Pilotprojekt neuerdings auch Energieversorger sind. Mit ihren Ausscheidungen versorgen rund 1000 der kleinen Nager eine ganze Farm nahe der Hauptstadt Lima mit Strom. Und während ich in London über die Tüftler aus aller Herren Länder staunte, machte noch ein Land in Sachen Innovation auf sich aufmerksam. Denn kaum waren die letzten Chi! Chi! Chi! Le! Le! Le! –Rufe verklungen, begann die Weltöffentlichkeit über die technologische Meisterleistung im Zuge der Rettung der 33 Mineros zu staunen.Wer hätte das einem Staat wie Chile noch vor wenigen Wochen zugetraut?

“Verlieren US-Innovatoren den Anschluss?”, fragte die “New York Times” schon 2005. Japan zum Beispiel hat die USA bei der Anzahl der Patentanmeldungen längst überflügelt, die US-Industrie gibt mehr Geld aus für Schadensersatzklagen als für Forschung, und Hightech kommt neuerdings zunehmend aus China. Rund ein Drittel der Ingenieure und Informatiker an US-Universitäten stammen aus dem Ausland. Und in Deutschland fehlen laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) schon jetzt 34.000 Ingenieure. Die großen Technologiemächte, wie die USA und Europa scheinen in eine Art Dämmerschlaf gefallen zu sein, während neue Märkte, in denen die Menschen hungrig nach Innovation sind, ihre Chance mutig beim Schopf packen. Und auch wenn viele Erfindungen auf den Innovationsmessen rund um den Globus noch belächelt werden, vielleicht noch nicht ausgefeilt sind, der Biss dieser Leute, es zu schaffen, ist bemerkenswert. Das erinnert mich an eine Anekdote über den berühmte Thomas Alva Edison, seineszeichens Erfinder der Glühbirne. Seine Notizen waren übersät von der Anmerkung “T. A.”, was nichts anderes bedeutete al “Try Again!“. Sicher auch für die sogenannte erste Welt ein kluges Credo!

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