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Speib in die Krone

Den Kommentar zum Flüchtlingsansturm von „Krone“-Steiermark-Chefredakteur Christoph Biró muss man mehrfach gelesen haben, weil man es nicht für möglich hält, dass sich ein „humanes Wesen“ mit solch einer diffamierenden und aufhetzerischen Wortwahl diesem tragischen Thema nähern kann. Nichts in aller Welt rechtfertig diese unwürdige zu Papier gebrachte Kloake eines Mannes, der mit seinen Worten Meinungen bildet und Stimmungen bei seinen Lesern erzeugt. Die Pressefreiheit will wohl behütet sein, aber es bleibt zu hoffen, dass die Gerichte, der Presserat und sonstige ethische Instanzen eine entsprechende Antwort auf diese in Worte gefassten Tatsachenverzerrungen und Lügengeschichten finden. Noch mehr über einen Herrn Biró zu schreiben käme wohl einer Überbewertung eines zwar groß gewachsenen Mannes gleich, der sich in dieser Kolumne allerdings in einem herzlosen und kleingeistigen Format outet. Derlei Niveau unterbieten vermutlich nicht mal Straches rechte Recken oder die Anhänger von PEGIDA, deren Kundgebungen im Vergleich zum Leitartikel der Steirerkrone vom 25.10.2015 eine “Refugees Welcome Gala” sind, um es in den Worten von ORF ZIB 2 Mann Armin Wolf zu sagen.

Kein einziger ernstzunehmender Politiker aus der Steiermärkischen Landesregierung oder aus der Österreichischen Bundesregierung hat eine Klarstellung und Distanzierung der Kronenzeitung zu all diesen menschenverachtenden Behauptungen eingefordert! Geht’s noch? Was sind das nur für Politiker und vor allem Menschen, die da keine klaren Worte finden? Die keine moralische Trennlinie ziehen zwischen dem, was an berechtigter Kritik erlaubt ist und dem, wo moralische Grenzen um ein Vielfaches überschritten werden. Sonst wird bei allen sich bietenden Gelegenheiten, wenn es der Politik ins Tagesgeschäft passt und kurzfristige Aufmerksamkeit generiert, mit Kanonen auf Spatzen geschossen und hier findet niemand, nicht mal ansatzweise Worte, die solch ein verschriftlichtes Gedankengut in die Schranken weisen? Vermutlich sendet am Ende noch die Bundesregierung in bereits geübter Form einen Entschuldigungsbrief an die Redaktion der auflagenstärksten österreichischen Boulevardtageszeitung, um sich zu entschuldigen, dass die gesamte Flüchtlingsthematik ein leitendes Mitglied der Redaktion derart aufgewühlt hat und bezahlt diesem schlussendlich noch eine Therapie, könnte man zynisch anmerken.

Womit ich bei einer konkreten Forderung wäre. Kaum einem Medium wird so viel an Steuergeld zuerkannt wie der Kronenzeitung. Wenn man sich täglich vor Augen hält, was da von der öffentlichen Hand und deren Umfeld an Inseraten, Druckstraßen, Beilagen und Kooperationen finanziert wird und das hochrechnet auf Wochen und Monate, dann wird einem schwindelig ob dieser Millionen, die dazu dienen, „die 4. Macht im Staat“ bei Laune zu halten. Und das mit unserem Steuergeld! Die politischen Verantwortungsträger in diesem Land könnten dadurch Haltung an den Tag legen, indem sie alle mit den Pflichtabgaben der Österreicher finanzierten Projekte mit dem zitierten Medium, das so gerne und so schnell über alle anderen richtet, eingestellt werden, bis ein Provinzschmierfink der Sonderklasse den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen erbracht hat. Das wäre verantwortungsvolles politisches Handeln und ein starkes Signal gegen all jene Hetzer, die im Kleinen und im Großen die Gesellschaft spalten, statt sie mit sozialem Kitt zusammenzuhalten. Und das wäre ebenso ein Signal an alle Medien, dass Mindeststandards der Ethik und Moral einzuhalten sind, um mit der öffentlichen Hand Geschäfte machen zu können!

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Comments 38

  1. Wo kann man die vermeintliche geistige Gülle lesen, lieber Gerhard?

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