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Rauchzeichen für Freiheit

Während meines aktuellen Berlinaufenthaltes ist mir dieser Tage wieder eine der Öffentlichkeit weitestgehend verborgene und besondere Geschichte zum allseits beliebten Thema Nichtraucherschutz in den Sinn gekommen. Argumente für den Konsum von Zigaretten gibt es eigentlich keine, möchte ich anfangs vorausschicken. Als ich vor einigen Jahren bei einem Kongress in der deutschen Bundeshauptstadt beim Hersteller dieser blauen Ausdauertablettenüber den Freiheitsgewinn eines Nichtrauchers gesprochen habe, entdeckte ich eine für mich damals unbekannte und ebenso historisch interessante Geschichte. Die erste große Nichtraucherbewegung im deutschen Sprachraum ist auf die NSDAP zurückzuführen, deren Frontmann und verhinderter Künstler sowohl Alkohol als auch Zigaretten hasste. Außer beim Kanonenfutter an der vordersten Front tolerierte der Führer bei keinem Menschen in seinem Umfeld den Genuss einer Tschick“, um einen wienerischen Ausdruck für die qualmende Papierrolle zu gebrauchen. Die Partei des letzten gemeinsamen deutsch-österreichischen Kanzlers ist es folglich auch gewesen, die in Behörden, Ämtern und Ministerien flächendeckend das Rauchen verboten hatte. Der “Irre aus Braunauwar der geschichtlichen Überlieferung zur Folge angeblich auch mit milden Seiten behaftet. Auf seinen persönlichen Wunsch hin wurde der Zigarettenkonsum in Straßenbahnen verboten, damit die Schaffnerinnen im gebärfreudigen Alter bei etwaiger Schwangerschaft keinen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt wurden. Dass nach Kriegsende in Hollywood-Streifen die Zigarette mit einem Glas Whisky zum Standard jeder Filmszene wurde, wenn das damals noch meist männliche Familienoberhaupt ins traute Heim eintrat, hat damit zu tun, dass der eigenverantwortliche Zigarettenkonsum zum Symbol der persönlichen Freiheit wurde. Marken wie Lucky Strike waren zur damaligen Zeit einer der größten Geldgeber für das noch nicht weit verbreitete Product Placement. All den Moralpredigern unter dem Deckmantel der Political Correctness ist die braune Geschichte der Politisierung des Themas Rauchen vermutlich entgangen. Der Nichtraucherschutz ist kurioserweise historisch ebenso belastet, wie der Begriff der Heimat, der Anschluss oder der Gefolgschaft. Streng ausgelegt, könnte also der Nichtraucherschutz einer Verherrlichung des größten Unrechtsregimes aller Zeiten gleichkommen. Wenn man so möchte, dann ist der bewusste Griff zur Zigarette, mit all den einhergehenden Risiken, ein mehr als starkes Zeichen gegen Rechts, eine Statement gegen die NS-Knechtschaft. Ich habe meine geliebten Glimmstängel bewusst auf die Seite gelegt, weil ich die Diskriminierung als Raucher schon vor Jahren nicht mehr ertragen konnte. Ob des nicht enden wollenden Raucher-Bashings und als Zeichen gegen die Ideologien des Nazi-Gesindels überlege ich mir schon seit längerem, wieder mit dem Rauchen zu beginnen. Vermutlich werde ich es aber unterlassen, da ich als praktizierender Genussmensch Gefahr laufen würde, Schachtel für Schachtel des blauen Dunstes nicht zu genießen, sondern im Übermaß zu verschlingen.

Ein paar Gedanken zum Thema Rauchen muss ich schon alleine deshalb niederschreiben, da die Österreichische Bundesregierung das Rauchverbot in Lokalen mit 2018 beschlossen hat und damit das Niveau vieler EU-Länder mit ca. 10 Jahre Verspätung erreicht. Das mag richtig und zeitgemäß sein, aber in den Zustand der Erregtheit versetzt mich die Politik mit der „Konsequenz“ ihres Handels. Und die Solidarität möchte ich all jenen Wirten aussprechen, die vor einigen Jahren per Gesetz genötigt wurden, ihre Lokale ab einer gewissen Quadratmeterzahl in einen Raucher- und Nichtraucherbereich zu trennen. Dies nur deshalb, weil der Gesetzgeber wieder mal zu feige gewesen ist, klare Entscheidungen zu treffen! Aber so macht Politik den Frauen und Männern in Ministerrang offensichtlich Spaß: tiefgreifende Maßnahmen zu setzen und die Konsequenzen, sprich die Kosten auszulagern. Und jetzt, wo die Stimmungslage in der Gesellschaft endlich eine klare Regelung einfordert, da werden alle jene bestraft, die aus eigenen Mitteln und nicht mit Steuergeld die baulichen Adaptierungen geleistet haben. Solche Entscheidungen können nur von Politikern getroffen werden, die jeden Bezug zur Realität verloren haben, die keine Ahnung davon haben, was es bedeutet, tagtäglich kleinteilige Ware zu verkaufen und mit den Erlösen zuerst die Miete, dann vielleicht die Mitarbeiter – wenn vorhanden – und immer zu guter letzt sich selbst zu bezahlen. Das ist die unternehmerische Realität in unserem Land! Ich bin weder ein Lobbyist der Raucher noch der Wirte. Aber viele, die sich heute die Hände ob derlei Politik die Hände reiben, sollten sich überlegen, was es bedeuten würde, wenn der Staat auch in ihre Freiheit, insbesondere die unternehmerische eingreifen, aber für einen sich abzuzeichnenden Gewinnausfall keinerlei Verantwortung übernehmen würde. Der Hintergrund dieses Handelns straft all jene, die bereit sind, wirtschaftliches Risiko einzugehen und für ihr Auslangen selbst zu sorgen. Wer das nicht würdigt, der sollte zumindest eine Zigarette als Bekenntnis gegen falsches Gedankengut und als Symbol für den Erhalt der hart erkämpften Freiheit rauchen!

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