Nebenamt

Kennen Sie das, wenn Sie an Orte gelangen, die Sie bislang noch nicht kannten und sich plötzlich ein Bezugspunkt auftut, der eine Verbindung herstellt? So ist es mir kürzlich ergangen. Eine Reise führte mich in den Schwarzwald, um auf Einladung einer Buchhandlung aus meinem Buch „Tu es! Die Welt braucht dich“ (Wieser-Verlag) zu lesen. Erst mit dem Erscheinen des Hörbuchs habe ich begonnen, Einladungen für Lesungen anzunehmen. Ich bin überrascht und voller Freude, wie die Zuhörer auf die Inhalte des Buches reagieren. Sie spiegeln mir das wider, was auch die Medien über „Tu es! Die Welt braucht dich“ in Rezensionen bislang geschrieben haben. Da gibt es jemanden, der ein paar Gedanken und Handlungsanleitungen formuliert hat, die es dem Einzelnen ermöglichen, die Welt ein wenig besser werden zu lassen. Vielleicht aber lässt das Publikum die Inhalte des Buches so gut an sich heran, da es unzählige positive Zugänge aufweist, eine Seltenheit in der heutigen Zeit wie ich meine.

In Königsfeld im Schwarzwald, wo ich gelesen und mit den reichlich erschienenen Zuhörern diskutiert hatte, erhob sich ein Mann und fragte mich, ob ich den Text „Schafft euch ein Nebenamt“ von Albert Schweitzer (1875 – 1965) kenne. Ich musste verneinen. In der Vorbereitung auf diese Veranstaltung hatte ich nur nachgelesen, dass der Friedensnobelpreisträger von 1952 zeitweise in diesem traditionsreichen Kurort in Baden-Württemberg gelebt hatte. Zurück in Wien habe ich nach dem Text gesucht und ihn gefunden. Wann Schweitzers Aufforderung sich gesellschaftlich zu engagieren entstanden ist, konnte ich nicht eruieren, an Gültigkeit hat sein Text nichts verloren: „Schafft euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, vielleicht ein geheimes Nebenamt. Tut die Augen auf und sucht, wo ein Mensch oder ein gutes Werk ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Arbeit eines Menschen braucht. Vielleicht ist es ein Einsamer oder ein Verbitterter oder ein Kranker oder ein Ungeschickter, dem du etwas sein kannst. Vielleicht ist es ein Greis oder ein Kind. Oder ein gutes Werk braucht Freiwillige, die einen freien Abend spenden oder Gänge tun können. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann! An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden! Darum sucht, ob sich nicht eine Anlage für Menschentum findet. Lass dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefasst. Aber lass dir ein Nebenamt, indem du dich als Mensch an Menschen ausgibst, nicht entgehen. Es ist dir eines bestimmt, wenn du es nur richtig willst…“ (Albert Schweizer)

Der deutsch-französische Arzt, Philosoph, Theologe und Pazifist hat schon vor vielen Jahren in wenigen Sätzen das formuliert, wofür ich ein ganzes Buch verfassen musste, könnte ich mit ein wenig Ironie anmerken. Egal, nehmen Sie Albert Schweitzers Kurzversion oder meine Langversion in Form von „Tu es! Die Welt braucht dich“, entscheidend ist und bleibt, dass jeder Mensch im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag leisten kann, damit unsere eine Welt eine bessere wird. In diesem Sinne „Tun Sie es!“.

vor 1 Jahr