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Lebensrettung

Wenn ich nachlese, wie sich viele Opinion Leaders im Mitgefühl und der Anteilnahme nach dem Selbstmord des Schauspielers Robin Williams übertrumpfen, dann flehe ich inständigst darum, dass es kein Leben nach dem Tod gibt! Ich würde es dem gerade mal 63 Jahre alt gewordenen Darsteller von so großartigen Filmen wirklich wünschen, dass er viele dieser verlogenen und heuchlerischen Fratzen nicht mehr erdulden muss. Personen, die für ihn vielfach erst jetzt jene Worte der Anerkennung finden, die dem Oscarpreisträger vielleicht in den letzten Jahren versagt geblieben sind. An Tagen wie diesen wird all diese Einsamkeit in einer angeblich vernetzten und kommunikationsorientierten Welt des Individuums sichtbar! Wo waren all jene, die in diesen Stunden dem fünffachen Golden-Globe-Preisträger Respekt und Anerkennung zollen, als dieser Mensch offensichtlich zugrunde ging? Wo waren all jene, die jetzt diese außergewöhnliche Persönlichkeit würdigen, in den letzten Tagen, Wochen und Monaten? Wo waren bildlich gesprochen all seine Wegbegleiter in den letzten Momenten seines Lebens, als viele von diesen Frauen und Männern an seinem Haus in Kalifornien vorbeigegangen und nicht stehen geblieben sind? Während er im Inneren des Gebäudes seinen Galgen hergerichtet hat.

Jeden Tag sterben irgendwo auf der Welt viele Robin Williams, einsam, in ihren Sorgen und Ängsten nicht erkannt. Nicht sichtbar, in einer Zeit, in der die Oberflächlichkeit zur Handlungsmaxime und eine fragwürdige Anlassbezogenheit vieler Freundschaften zum Erkennungsmerkmal geworden sind. In einer Schnelllebigkeit, die immer mehr Werte wie Respekt, Toleranz oder Anerkennung am Altar des Egoismus opfert! In einer Gesellschaft, der permanent eingetrichtert wird, dass es immer nur um den eigenen Vorteil geht. Und letztlich in einer Epoche, in der die Heftigkeit der Ellbogenbewegung oftmals das einzige Qualifikationsmerkmal auf dem Weg nach oben ist, koste es, was es wolle.

Wann schauen wir, und da nehme ich mich nicht aus, zumindest in unserem engsten Umfeld, auf jene, die sich selbst nicht helfen können? Wann durchforsten wir unsere Adressbücher nach Kontakten, die plötzlich aus unserer Wahrnehmung verschwunden sind? Wann fragen wir Menschen, wie es ihnen wirklich geht und ergötzen uns nicht an ihren Schickn und Misserfolgen? Wann bieten wir unseren (angeblichen) Freunden oder Bekannten, aber auch Familienmitgliedern wirklich Hilfe und Unterstützung an, uneigennützig, nicht auf den eigenen Vorteil bedacht? Alle 40 Sekunden tötet sich ein Mensch! Während Sie diesen Text gelesen haben, sind vermutlich 3 bis 4 Menschen aus dem Leben geschieden, setzten ihrem Dasein einen tragischen Schlusspunkt. Vielleicht könnte der eine oder andere gerettet werden, wenn wir nicht erst immer im Nachhinein den Menschen jene Wertschätzung entgegen bringen, die ihnen vorher das Leben hätte retten können!

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