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Haltet den Dieb!

Gestern hatte ich ein besonderes Erlebnis. Zuerst suchte ich den Schlüssel meines Fahrradschlosses. Ein Sicherheitsschloss, wie es die Fahrradboten in New York verwenden. Im Kopf hatte ich den Schlüssel auf dem Kasten bei der Eingangstür abgelegt. Dort war er aber nicht. Ich begann zu suchen. Schubladen auf und zu, Sachen durchsuchen, unter den Kasten schauen, Taschen von Sakkos ausleeren, sogar den Tresor habe ich ausgeräumt. Gefunden habe ich nichts. Vorerst. Mein zweiter Verdacht war, dass ich diesen kleinen schwarzen Fahrradschlossöffner an meinem weiteren Wohnsitz ausgeleert haben könnte. Dennoch suchte ich unbeirrt weiter. Gefunden habe ich ihn dann in meinem Flugkoffer. Fragen Sie nicht, wie er da reingekommen ist. Mein Fahrrad nehme ich nämlich selten ins Flugzeug mit. Wie auch immer, irgendwie hätte mich das alles stutzig machen sollen. Wollte sich der Schlüssel vor mir verstecken? Wollte er mir eine Enttäuschung ersparen? Dazu später mehr. Szenenwechsel.

Unweit von meiner Wohnung, sozusagen gleich ums Eck, gibt es ein wirkliches cooles Fahrradgeschäft. Der Laden befindet sich in einem Innenhof, der stark frequentiert ist, und verbindet die Neustiftgasse mit der Lerchenfelderstraße. Seit Jahren ging ich durch diesen Hof und bewunderte die Bikes, die in der Auslage zu sehen sind, oder vor dem Geschäft standen. Dort gibt es “Drahtessel”, die man sonst nicht sieht. Im Juli 2010 habe ich dann mein Bedürfnis nach einem dieser besonderen Fahrräder gestillt! Ich erstand um wohlfeile 1.500,00 Euro fahrbares Design der deutschen Kultmarke Diamant. Einem Traditionsunternehmen, in dem auch nach 125 Jahren Unternehmensgeschichte die Fahrräder noch immer in Handarbeit gefertigt werden. Mein Super-Radl, kein Rennrad, so ein richtig schönes City-Bike, mit Carbon Riemenantrieb (für alle Experten) und ich sind seither ein Herz und eine Seele! Voll Stolz besteige ich seitdem mein Fahrrad und bewege mich damit durch die Stadt, oder fahre die Prater Hauptallee entlang und denke oftmals darüber nach, was ich so anstellen könnte.

Und dann das! Nachdem ich gestern ewig den Schlüssel für mein Fahrradschloss gesucht, ihn endlich gefunden hatte und dann meinen Liebling auf zwei Rädern aus dem Fahrradstall holen wollte, hat mich fast der Schlag getroffen. Eben war da noch mein im dunklen Olivgrün matt lackiertes Supersuperrad und dann stehe ich plötzlich vor einem allein stehenden Reifen, der mit einem Sicherheitsschloss am Fahrradständer befestigt ist. Ein schockierender Anblick, Sie können sich das gar nicht vorstellen. Da hat jemand eine Zwangsamputation durchgeführt, welch grausame Gewalt! Der polnische Hausmeister erklärte mir, dass noch 3 weitere Fahrräder gestohlen wurden. Ein Umstand, der mir keinen Trost spenden konnte. Ich schreibe jetzt kein von mir vermutetes Täterprofil, das wäre politisch sehr unkorrekt. Erschüttert brachte ich meinen Reifen und das Schloss als Beweismittel zur Polizei, um eine Anzeige zu erstatten. Und nun liegen sie alleine und verlassen im Vorraum meiner Wohnung. Also, falls jemand Verwendung für einen fast neuen Reifen mit einem ebenso neuen Fahrradschloss hat, der soll sich bitte melden. Sollte aber jemand eine Person mit einem besonders schönen Fahrrad ohne Vorderreifen sehen, bitte festhalten, mich anrufen und warten, bis ich komme. Falls es der Täter ist, schreibe ich jetzt besser nicht, was ich mir in meinen Gedanken ausgemalt habe.

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