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Halbvoll Richtung Weltuntergang!

Die Weihnachtsfeiertage habe ich einigermaßen unbeschadet überlebt. Reichliches Essen, ein gesteigertes Verlangen nach perlenden Kaltgetränken und zuwenig Bewegung haben ein paar Wölbungen rund um die Bauchgegend entstehen lassen. Ich spreche nicht von einem gestählten Sixpack, sondern von schlaffer Bauchmuskulatur, die ich ab Jänner 2014 wiederum in Schwung bringen werde. Noch genieße ich den Ausklang eines überaus produktiven Jahres, aber ab Neujahr gilt es nicht nur Fettpolster abzubauen, sondern auch den Rest meines Körpers wiederum in Richtung Body-Mass-Index (BMI) zu trimmen. Schließlich wartet im April der Vienna City Marathon traditionell auf meine Teilnahme. Ob ich das Zielband am Wiener Heldenplatz durchlaufen werde, steht freilich noch auf einem anderen Stern, da die versammelten Pessimisten dieser Erde gleich zwei Weltuntergänge für 2014 voraussagen. Wenn die Prophezeiungen stimmen und man der nordischen Mythologie der Wikinger glauben darf, sollte es am 22. Februar wieder mal soweit sein. “Dann nämlich bläst der Gott Heimdall in sein Horn und Odin, ebenfalls ein Gott, wird vom Riesenwolf Fenrir beim Kampf der Götter (Ragnarök) getötet. Die Sonne wird dunkel und Katastrophen ziehen über das Land.” Und sollte es am 4. Samstag im Feber des nächsten Jahres nicht klappen, dann gibt noch immer der 1. Juni 2014 allen Schwarzmalern Hoffnung. Dann nämlich wird die im April dieses Jahres vom Astrophysiker Dr. Albert Sherwinski im All entdeckte Säurewolke Mutter Erde final küssen und hier alles Leben zum Erlöschen bringen. So weit die Bad News:-)

Die optimistische Sicht der Dinge könnte eine andere Herangehensweise sein. Wie entwickelt sich 2014, wenn die Verkünder des Untergangs wieder mal nicht Recht haben? Müssen wir dann alle weiter unser Leben dahin leiden? Unser Dasein zwischen Erderwärmung, drohender Klimakatastrophe und anderen gesellschaftlichen Qualen fristen? Was mir zunehmend auffällt, das ist dieser unsagbare Alltagspessimismus, der mich umgibt. Diese mir die gute Laune verderbende Suderei und Jammerei über alles und nichts. Der bevorstehende Jahreswechsel bringt mich unfreiwillig in die Situation, persönlichen Bilanzziehungen vielerorts beiwohnen und noch öfter ertragen zu müssen. Zynisch könnte man anmerken, ob nicht ein punktueller Weltuntergang für manche Zeitgenossen tatsächlich eine Option wäre. Für die einen, damit sie endlich Erlösung erfahren und für die anderen, damit sie von all den Dauerskeptikern erlöst werden, die dem Diesseits ohnedies gar nichts bis wenig abgewinnen können. Das wäre dann sozusagen eine Win-win-Situation für beide Seiten, die einer nicht widerlegbaren Erkenntnis des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss (1884–1963) Rechnung trägt, wonach “Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, der Pessimist ist”. Ist der vielerorts praktizierte Pessimismus eine der modernen Zivilisationskrankheiten in unserem Breitengrad? Und weil ob all der düsteren Prognosen ohnedies nichts mehr geht, sitzen immer mehr Menschen in persönlicher Lethargie erstarrt und warten darauf, dass die jeweils anderen das tun, was sie selbst nicht bereit sind zu machen. Wie soll daraus Fortschritt, eine Weiterentwicklung der Gesellschaft entstehen?

Welche Gedanken sollten uns kurz vor dem Jahreswechsel, den Blick schon auf Zukunft gerichtet, begleiten? Der US-amerikanische Psychologe und Philosoph William James (1842-1910) hätte da mit „Wer daran glaubt, dass das Leben lebenswert ist, handelt so, dass das Leben lebenswert wird“ einen schon vor Jahrhunderten von Jahren formulierten Ratschlag parat, dem ich einiges abgewinnen kann. Ist es nicht in der Tat so, dass eine persönliche Zielsetzung, dass das Festhalten an einem Vorhaben, vielleicht gar an einem Traum unglaubliche Energie in jedem von uns mobilisiert? Der Glaube an etwas versetzt bekanntlich Berge. Darf es Zuversicht, Hoffnung, Optimismus in der unser Leben immer mehr dominierenden political correctness nicht mehr geben? Muss alles einer Endzeitstimmung untergeordnet werden? Oder darf man sich darüber erfreuen, dass wir in der Mitte von Europa eindeutig mehr vom Leben haben, als andere Menschen irgendwo auf diesem Planeten, die nicht zu uns “Privilegierten” zählen? “Wir leben im Goldenen Zeitalter und merken es nicht: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Lebensstandard im Westen verdreifacht. Wir sind gesünder denn je, leben länger denn je, genießen eine unerhört lange Zeit des Friedens, sind weltweit mobil und haben märchenhafte Bildungschancen. Aber offenbar ist es sehr schwer, sich daran zu erfreuen” brachte der deutsche Medien- und Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz unser “Wohlstandsproblem” auf den Punkt. Ich möchte meinen Blick gegen das viele Unheil auf dieser Welt nicht verschließen, aber auch im neuen Jahr werden mich die “blöden” Pessimisten nicht bekehren können, mein halb volles Glas für halb leer zu halten. In diesem Sinne Ihnen allen ein erfolgreiches 2014!

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