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Champagner zum Weltuntergang

Jetzt steht es also quasi fast fest, vermutlich. Am 21. Dezember 2012 fällt für alle hier unten der große Vorhang. Affe tot. Zirkus vorbei. Sie haben es eh schon aus den Medien gehört: Für den 21. Dezember 2012 nämlich haben die Chefstatistiker der Maya mit ihren Planrechnungen das Grande Finale berechnet. Wobei es mir in dem Fall egal ist, ob mich ein Sonnensturm dahinrafft, wir alle mit dem Mega-Tsunami baden gehen oder das schwarze Loch aus dem CERN-Institut die Welt mit einem Happs auffrisst. Ich hab diesbezüglich keinerlei Präferenzen.

Zumal ich als Kind der sechziger Jahre ohnehin froh sein muss, überhaupt noch auf diesem Erdenrund zu wandeln. Nach heutigem Stand der Wissenschaft haben Menschen aus meiner Generation ja eine verschwindend kleine Wahrscheinlichkeit das Erwachsenenalter zu erreichen: Unsere Mütter aßen während der Schwangerschaft Salami und Thunfisch aus der Dose, möglicherweise haben sie dazu auch den einen oder anderen Spritzer weiß gekippt. Man stellte uns als Babies sorglos in unseren Tragtaschen auf den Rücksitz des Autos, Maxi Cosi war ja noch nicht erfunden. Später fuhren wir Rad ohne Helm, tranken Wasser aus dem Gartenschlauch, aßen mit dreckigen Fingern jede Menge Butterbrote aus bösem weißem Mehl. Wir hatten daheim FS1 und FS2, kein Nintendo, kein Internet, keine Playstation, waren den ganzen Tag draußen unterwegs ohne mit dem Handy gepeilt werden zu können. Und wer hätte es gedacht: Hurra, wir leben noch!

Am Silvestertag hatte ich ein Erlebnis, das mich zusätzlich in dem Glauben bestärkt, hier unten noch eine Mission zu haben. Das war nämlich so: Es ist früher Nachmittag. Ich sitze mit leichten Magenbeschwerden in meiner Kärntner Wahlheimat bei meinem Barkeeper Hubert und habe bis zu diesem Zeitpunkt konsequent alle Einladungen auf ein letztes Glas im abgelaufenen Jahr ausgeschlagen. Mir ist irgendwie nicht danach, die Advent- und Weihnachtszeit hat ein paar Spuren in Magen und Leber hinterlassen. Der liebe Hubert, ein Mann von Welt, kann mein Leid nicht länger mit ansehen und erinnert sich an ein Hausmittel, das er in seiner Zeit auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt hat und das in solchen Fällen wahre Wunder bewirken soll: Gin, aufgerührt mit Pfeffer. Very simple, aber angeblich sehr wirkungsvoll. Ich gebe mich geschlagen und bekomme also Gin mit Pfeffer gereicht. Das 0,25 Liter Trinkglas ist gerade einmal 4 cm hoch bedeckt und die Flüssigkeit durch den Pfeffer trüb. Ich setzte zum Schluck an, der Gin gleitet in meinen Rachen, plötzlich spüre ich einen Gegenstand in meinem Mund und spucke reflexartig alles wieder aus. Der Gegenstand war eine daumennagelgroße, spitze Glasscherbe. Schwein gehabt…
Offenbar bin ich also noch nicht dran. Vielleicht bin ich einer der wenigen Überlebenden des 21. Dezember 2012. Vielleicht werde ich mit der intellektuellen Elite des Planeten in einer Raumstation über die Zukunft der Zivilisation schwadronieren. Vielleicht werde ich aber auch demnächst in der Herrengasse von einer Dachlawine skalpiert. Who knows? Wann und wie der Vorhang fällt steht immer in den Sternen. Optional ist der Exitus sowieso nicht. Und was die letzten Stunden bis zum final Countdown betrifft: Um die stilvoll rüber zu biegen, hat der von mir geschätzte Herr Peter Fox schon ein paar sehr effiziente Vorschläge gemacht:

Wir können die Sorgen vergessen
Lasst uns tonnenweise Torte fressen,
Champagner-Sorten testen und versuchen,
die Sterne mit Sektkorken zu treffen.

(© Peter Fox, Der letzte Tag, Album „Stadtaffe“, 2008, http://www.youtube.com/watch?v=vIQed6lSNQE)

Auf die Gefahr jetzt banal zu klingen: Warum nicht das Leben immer so leben als würde die Apokalypse hinter der nächsten Ecke warten? Sinnstiftend nämlich. Und ohne Kompromisse. Fürs Sterne abschießen, hätt ich noch ein paar Flaschen Roederer ich im Keller, so weit bin ich also auf der sicheren Seite.

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